Unser Fahrzeug Innenausbau (28.5.2017)


Die technische Fahrzeugwahl und -vorbereitung hatte ich bereits in einem Beitrag im Dezember 2016 beschrieben (http://ontour.braun-duesseldorf.de/?p=577).

In diesem Bericht wollte ich darauf eingehen, wie der Innenausbau erfolgte, wie unsere Anforderungen waren und wie wir bisher damit klar kommen.

Das Fahrzeug war den Vorbesitzern, zwei älteren Herrschaften, 5 Jahre lang auf Reisen ein Zuhause, wobei diese immer im Bett unter dem ausklappbaren Dach schlafen mussten. Diese Lösung kam für uns nicht in Frage. Zum einen,  weil wir mit drei Personen unterwegs sind und zum anderen, weil wir aus Erfahrung wissen, dass es im Auto mit aufgeklappten Dach sehr ungemütlich werden kann.

Unsere Tour durch Südamerika sollte unter anderem nach Patagonien und in die Anden gehen. Die eine Region ist bekannt für permanente und extrem starke Winde, die andere für extrem niedrige Temperaturen in der Nacht (minus 15 Grad waren schon zu erwarten). Außerdem wollten wir auch unbeobachtet übernachten können, was mit aufgeklapptem Aufstellstelldach nicht möglich ist. Bei schönem Wetter hätten wir dann immer noch die Möglichkeit, das Dach aufzuklappen: zum Schlafen oder auch zum besseren Belüften.

So war eine unserer Kernanforderungen, dass wir in der „unteren“ Etage eine Bett brauchten, das für drei Personen Platz bietet. Das bedeutet bei einem VW T5 Transporter eine Bettbreite von ca. 155cm. Als Länge waren 200cm vorgegeben. Damit war aber auch klar, dass der Sitz für die dritte Person in der zweiten Reihe klappbar sein musste, um darüber das Bett bauen zu können.

Im Vorfeld hatten wir uns auf verschiedenen Messen und Veranstaltungen unterschiedliche Lösungen angeschaut. Aber sie wurden unseren Bedürfnissen nicht gerecht. Entweder waren an den Seiten Schränke verbaut, was die Breite des Bettes einschränkte, oder sie hatten monströse klappbare Schlafsitzbänke, die sehr viel Stauraum vernichteten bzw. zerteilten.

Damit war auch klar, dass wir eine maßgeschneiderte Lösung brauchten, die genau unseren Anforderungen entsprach. Ich vergleiche das immer gerne mit der Einrichtung einer sehr kleinen Küche, die man durch geschickten Ausbau bestmöglich nutzen will.

(auf diesem Bild sind Fahrer- und Beifahrersitz mal nach hinten gedreht)

Unsere Anforderungen lauteten daher:

  • Bettmaße 200cm mal 155cm
  • ein Herd, 2-Flammen, Spiritus
  • ein Kühlschrank, elektrisch
  • eine Spüle mit Wasservorrat
  • Stauraum so viel wie möglich
  • Off-Road tauglich

Viele Reisende, die wir auf der Reise getroffen haben, sind mit größeren Fahrzeugen unterwegs und auch meistens nur zu zweit. Unsere Bestreben war, alles für drei Personen in dieses 5m lange Auto zu bekommen und auch in allen Klimazonen unterwegs zu sein zu können, also auch alles dabei zu haben: von der winterlich warmen Wander- bis zur Bade- und Schnorchelausrüstung.

Aus dem Off-Road Bereich hatten wir einen Ausrüster kennengelernt, der vergleichbare Lösungen auf Fahrzeugbasis des Landrover Defenders anbot und der sich auch auf den Ausbau von VW Bussen spezialisiert hat – Kaua’i Camper in Egelsbach bei Darmstadt.

So wurden wir bei Sven Treusch vorstellig, um die Möglichkeiten der Umsetzung unserer Anforderungen abzustimmen. Während mehrerer Termine wurden die Anforderungen im Detail abgestimmt, Maß genommen und angefertigt, eben wie bei einer Einbauküche.

Auch wenn – wie in jedem guten Projektgeschäft – am Ende die Zeit knapp wurde, war alles pünktlich zur Verschiffung des Fahrzeugs nach Valparaíso/Chile im August 2016 fertig.

Nach nunmehr acht Monaten können wir sagen, dass der Ausbau perfekt zu unseren Anforderungen passt! Die räumliche Enge des Fahrzeugs erforderte natürlich Kompromisse, die aber bestens gelöst wurden. Die Off-Road Tauglichkeit hat sich auf vielen, teils extrem schlechten Wegen bisher bestens bewährt. Da klappert nichts und nichts fällt ab.

(hier unsere Dekoration am Weihnachtsabend im Nirgendwo im chilenischen Feuerland/Patagonien)

Der Kühlschrank ist ausreichend groß, der Herd lässt sich im Sitzen auf dem hinteren Sitz gut bedienen, was sich  auf langen Touren durch die Weiten Argentiniens auch während der Fahrt schon sehr bewährt hat.

Die Spüle dient auch als Ablageort und der Wasserhahn ist als Brause ausgeführt und lässt sich auch außerhalb des Fahrzeugs verwenden. Vor den Einbauschränken im Kochblock gibt es ebenfalls noch Abstellfläche.

Sind der Herd und der Kühlschrank zugeklappt und der Sitz umgelegt,

kann die Bettfläche heruntergeklappt und das Polster ausgelegt werden.

Dann entsteht das Bett mit einer feinen 10cm Matratze, auf der es sich herrlich liegen lässt. Das Polster ist so angenehm, dass wir auch bei tiefsten Außentemperaturen nie das Gefühl von Kälte von unten haben.

Dazu haben wir noch einen riesigen Stauraum im Heck (das passt alles hinten rein und noch etwas mehr),

der zum einen von oben zugänglich ist (wenn man die Bettpolster entfernt oder hochhebt) und natürlich über die Heckklappe.

(Im Hintergrund sieht man übrigens ‚Grünspan‘ unseren treuen argentinischen Begleiter, der am 220V Umrichter in den heißen Sommernächsten in Argentinien, Uruguay und Paraguay uns Luft zugefächelt hat, jetzt aber in der Kälte der Anden sein trauriges Dasein im Kofferraum fristet.)

Dieser Ausbau hat alle unsere Anforderungen aufs Beste erfüllt und zeigt auch im Detail eine sehr feine, genaue handwerkliche Leistung, bei der alle Teile des Systems perfekt aufeinander abgestimmt sind!
Und das Tolle daran:  Bei Bedarf kann man mit relativ wenigen Handgriffen den zusammengesteckten Bettausbau entfernen und hat dann wieder einen großen Laderaum. Mit etwas mehr Aufwand kann man wahlweise auch den Herd, den Kühlschrank, die Spüle und den dritten Sitz entfernen und hat dann wieder das volle Transporter Ladevolumen zur Verfügung.

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