Warum eigentlich Paraguay? (18.3.2017)


Wo ist eigentlich Paraguay, was macht man da und warum sollte man dahin reisen?

Wir haben festgestellt, dass sich viele Reisende, die wir in Paraguay getroffen haben, diese Fragen stellen, so auch wir. Die Antwort darauf ist nicht so leicht, aber am Ende bleiben alle länger in Paraguay als ursprünglich geplant.

Wir wollten dieses Land eigentlich nur kurz besuchen.Zum einen wollten wir die Jesuiten-Missionen sehen und zum anderen den Karneval in Encarnation, der Grenzstadt zu Argentinien am Rio Paraná.

Der Karneval in Encarnation gefiel uns nicht so gut und wir fuhren deshalb am gleichen Abend über die Grenzbrücke wieder zurück nach Argentinien. (siehe separater Bericht).

Also fehlte uns noch der Besuch der Missionen. Die Ruinen von ehemals insgesamt 30 jesuitischen Missionen verteilen sich auf das Gebiet des heutigen Brasiliens, Paraguays und Argentiniens. Die Ruinen in Misiones/Argentinien hatten wir bereits besucht und wollten diese Besichtigungen nun in Paraguay fortsetzen. Was dann kam, war eine Reihe schöner Zufälle.

Die Mission von San Ignacio de Guazu ist noch in Teilen gut erhalten und verfügt vor allem über eine tolle Sammlung alter, originaler Holzschnitzarbeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Vor Ort waren gerade drei Wissenschaftlerinnen aus Deutschland zu Gange. Sie untersuchen die Holzschnitztechniken und den Ursprung der verwendeten Farben.

Mit ihnen haben wir uns lange unterhalten und sie erzählten uns auch, dass sie am 9. März einen Vortrag zum bisherigen Stand ihrer Arbeiten im Nationalarchiv in Asuncion halten werden. So fuhren wir einige Tage später zum Vortrag, an dem unter anderen auch der paraguayanische Kultusminister teilnahm.

Nach dem Vortrag kamen wir dann mit der Leiterin des Goethe-Zentrums in Asuncion ins Gespräch. Sie lud uns zu einer einige Tage später stattfinden Vernissage ins Goethe-Zentrum ein.

Dort lernten wir dann den örtlichen Lektor des DAAD mit seiner Frau kennen. Das war der erste Strang netter Begegnungen in Paraguay.
Der zweite Strang netter Begegnungen ergab sich aus dem Aufenthalt auf dem Camping-Stellplatz vom deutsch- bzw.schweizerischen Paar Marion und René vom „Hospedaje Hasta la Pasta“. Von diesem Overlander-Treffpunkt für Langzeit-Reisende mit eigenem Fahrzeug hatten wir schon vorher gehört und wie so vielen Gästen zuvor, ist es auch uns ergangen: Wir sind viel länger geblieben als geplant! Der Austausch mit den anderen Reisenden war so unterhaltsam und informativ, dass aus ein paar Tagen Aufenthalt am Ende eine ganze Woche wurde. Die selbstgemachten Nudeln von René und das köstliche Essen von Marion taten ihr Übriges.

Daraus ergab sich auch der dritte Strang. Unser Auto brauchte ein wenig Zuwendung wegen erneuerter Klappergeräusche an der Vorderachse und eines anstehenden Ölwechsels. René empfahl uns seinen Nachbarn Erich, der vor einigen Jahren über Brasilien nach Paraguay ausgewandert ist, neben vielen anderen Tätigkeiten auch KFZ-Mechaniker war und das noch als Hobby weiter betreibt, obwohl er eigentlich schon länger in Rente ist. Auf seinem schönen großen Grundstück mit tollem Blick auf den See hat er für sich privat eine große Werkstatt mit Hebebühne und Grube eingerichtet.

Er konnte uns kompetent und freundlich mit allen Angelegenheiten am Auto weiterhelfen. Auch die gerissene Felge konnte er wieder löten (siehe separater Beitrag zur Felge). Gemütlich auf seiner Terrasse sitzend, lernten wir noch seine Frau Roxane kennen und zufällig auch seinen Nachbarn Jürgen. Jürgen ist vor vielen Jahren zum zweiten Mal aus Deutschland nach Paraguay ausgewandert, hat ein phantastisches Grundstück mit Hotel und eigenem ‚Urwald‘ mit Flüsschen und Wasserfall.

Einige Tage später waren wir bei ihm zu Besuch eingeladen und er hat uns drei Stunden lang durch seinen Wald, sein 25ha großes Anwesen geführt.
Auf einem fast deutschen Wochenend-Markt in San Bernadino hat Franziska dann noch eine junge Frau, Jacqueline, kennen gelernt. Sie ist mit ihrer Mutter im Alter von 13 Jahren nach Paraguay ausgewandert. Wir haben sie einige Tage später an der Schule besucht, an der sie den Kindern Deutsch beibringt.

Aber wir haben auch sehr nette Einheimische getroffen. So wie den jungen Brian, den wir nach dem Weg fragten und der uns dann sehr nett begleitete, erst zum Holzschnitzer Nestor

und dann noch zu einer Ziegelei, wo wir uns die traditionelle Herstellung von Tonziegelsteinen anschauen konnten.

Und dann war da noch die nette Frau in der Touristen-Information in Asuncion, mit der wir uns so angeregt unterhielten und die uns mit großer Begeisterung von ihrer Tochter und ihrem „perfekten Schwiegersohn“ (aus Freiburg) erzählte.
In Chile und Argentinien haben wir viele Menschen getroffen, die sich auf ihre deutsche Wurzeln berufen, bei denen die Auswanderung aber mindestens schon vor zwei oder noch mehr Generationen stattgefunden hat. Die ältere Generation spricht auch noch Deutsch, die junge Generation dagegen kaum noch. Die wenigsten, die wir getroffen haben, waren aber  je in Deutschland gewesen.

In Paraguay hingegen trifft man viele Deutsche, die selber ausgewandert oder mit ihren Eltern hergekommen sind. Sich mit ihnen zu unterhalten ist sehr interessant, da man aktuelle Vergleiche zwischen Deutschland und Paraguay ziehen kann und auch viel über die Beweggründe für die Auswanderung erfährt. Die Hauptargumente sind meistens:

  1. Das Leben in Paraguay ist günstiger
  2. Das Wetter ist besser
  3. Das Leben ist entspannter
  4. Ablehnung der deutschen bzw.der europäischen Politik
  5. Überfremdung in Europa

Während wir Punkt 1, 2 und 3 zumindest verstehen können, fällt es uns bei 4 und 5 schon sehr schwer. Auch wenn man über die europäische Politik geteilter Meinung sein kann, so ist die paraguayanische Politik  nicht gerade die Blaupause für eine gelungene Demokratie. Die Bildungspolitik in Paraguay macht ebenfalls keine Hoffnung, dass sie in absehbarer Zukunft besser werden wird.

Über eine Überfremdung in Europa kann man sicherlich diskutieren, umgekehrt könnten die Paraguayaner angesichts der vielen Einwanderer ihrerseits  ebenfalls Bedenken wegen einer Überfremdung haben.

Und warum also sollte man nun Paraguay besuchen?
Weil es ein angenehmes Reisen und ein freundliches Miteinander gibt, außerdem einige Nationalparks und historische Sehenswürdigkeiten. Aber hauptsächlich wegen der Menschen hier.

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