Von Bolivianern lernen, heißt ‚fahren‘ lernen (25.6.2017)


Nichtsahnend brechen wir an Sonntagmorgen von Coroico Richtung Rurrenabaque auf. Kurz hinter dem Ortsausgang von Coroico fallen uns ein paar Hinweisschilder auf, deren Bedeutung sich uns aber nicht direkt erschließt.

Franzi liest nur per Zufall den einzigen kleinen Hinweis („conserve su isquierda“) auf einer viele Kilometer langen Strecke. Aus Unkenntnis fahren wir weiter rechts, bis uns – leicht schlingernd und hupend – ein Fahrzeug auf ‚unserer‘ Fahrbahn entgegenkommt.

Das geht vor allem auch auf der Strecke von Caranavi nach Rurrenabaque so weiter.
Wir müssen erkennen, dass in dieser bergigen Region die Fahrtrichtung nach örtlichen Gegebenheiten festgelegt wird. Das erscheint uns zwar manchmal etwas willkürlich, aber die Einheimischen kennen die Regel offenbar und halten sich daran. Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als ganz genau auf die Beschilderung zu achten.

Die Regel ist: Der Fahrbahnwechsel wird einmal am Anfang beschildert, um einige Dutzend Kilometer weiter wieder aufgehoben zu werden. Die Aufhebung kann an einem Ortseingang sein oder auch an einer Brücke oder an einem Bergkamm.

Sinn und Zweck dieser Regel ist, dass man dichter am Abgrund fahren und so die schmalen Straßen besser nutzen kann, um beim Passieren des Gegenverkehrs auch den letzten Millimeter verwenden zu können,  bevor einer von beiden die steile Böschung hinabstürzt…

Noch ein Eindruck: Traue keinem Bolivianer, der dich im Straßenverkehr vermeintlich vorläßt. Entweder wollte er eh gerade anhalten oder er will einer Gefahr ausweichen, die du noch nicht erkannt hast oder noch nicht erkennen konntest. Aber auf gar keinen Fall – niemals – hat er die Absicht, dich vorzulassen!

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