Ein Tag voller Überraschungen und – mit einer Riesenenttäuschung (17.8.2017)


Es begann damit, dass wir mitten im Nirgendwo direkt neben einer kleinen Straße übernachten mussten, um nicht in der Dunkelheit fahren zu müssen.

Nachts kamen fast keine Autos vorbei und am Morgen hatten wir einen tollen Blick ins Tal. Während wir frühstückten, kamen immer wieder Einheimische vorbei, zu Fuß, auf dem Fahrrad oder in Begleitung von Eseln, Schafen, Lamas und Hunden. Wir grüßten uns gegenseitig jedesmal freundlich und schüttelten uns die Hände,

bevor sie dann weiter ihrer Wege zogen,

von uns bedacht mit ein wenig frischem Obst oder auch etwas Hundefutter (für die Hunde!).

Auf  unserem weiteren Weg fielen uns die kleinen Lehmhäuschen mit Grasdach auf

und dann ging es viele kleine Serpentinen hinab ins Q’eswachaca-Tal:

Dort gibt es eine ganz einmalige Konstruktion:

Eine Hängebrücke über den Q’eswachaca-Fluss,

die ausschließlich mit Seilen aus Pflanzenfasern und mit Stöcken hergestellt wird,

die ineinander verwoben und verbunden werden werden und so Mensch und Lama einen stabilen Übergang ermöglichen. Sie wird in alter Inka-Tradition jedes Jahr von den Dorfgemeinschaften in der Nähe wieder neu gebaut und war bis vor 40 Jahren, d.h. bis zum Bau der Straßenbrücke nebenan, die einzige Verbindung über diese Schlucht.

Dann ging unsere Fahrt weiter und es begann zu regnen.

Am Straßenrand fiel uns ein alter Mann auf, der uns bat anzuhalten und ihn mitzunehmen.

Auch wenn wir nur drei Sitzplätze haben, findet sich doch noch Platz für weitere Mitfahrer (unser Rekord liegt bei zusätzlich zwei Erwachsenen mit viel Gepäck und zwei kleinen Kindern). Nach einer halben Stunde war er glücklich am Ziel und stieg aus.

Wir fuhren durch eine hübsche Berglandschaft weiter, bis zwei Lastwagen die Straße blockierten. Ein mit Steinen schwer beladener Laster war mit platten hinteren Zwillingsreifen liegen geblieben.

Mit unserem Luft-Kompressor konnten wir ihn nur bedingt wieder flott machen

und es blieb ihm nichts anderes übrig, als seine gesamte Ladung Steine am Wegesrand abzukippen.

Danach wollte einer der Helfer gerne in den nächsten Ort mitgenommen werden, also bitte: herein mit ihm!

Im Ort angekommen haben wir ihn wieder ab- und unseren Weg fortgesetzt.

Hinter dem Ortsausgang bemerkte ich dann ein neuerliches Poltern des Fahrwerks…

Aber wir fuhren weiter und kurz drauf wurden wir wieder angehalten. Diesmal von zwei Personen mit Gepäck. Sie wollten gern ein Stück Richtung Santo Tomas mitgenommen werden.

Während der Fahrt stellte sich heraus, dass es sich um Lehrerinnen der örtlichen Dorfschule handelte. So haben wir sie zur ihrer Schule gebracht und dort noch einen Einblick in eine peruanische Grundschule erhalten.

Die Frauen sind sehr engagiert,  haben die Räume kindgerecht eingerichtet

und verwenden ansprechende Materialien,

obwohl es an finanzieller Unterstützung durch das Ministerium mangelt. Erst kürzlich hatten die Lehrer in Peru wegen der schlechten Bezahlung landesweit einen zweimonatigen (!) äußerst heftigen Streik durchgeführt.
Im Anschluß an den Schulbesuch wollten zwei der Lehrerinnen gerne weiter in die Stadt Santo Tomas und so fuhren sie eine Stunde bei uns mit, bis wir sie in der Stadt absetzen konnten.

Unsere Gespräche während der Fahrt waren sehr angeregt und interessant, weil wir von ihnen einen aufschlussreichen Einblick in die Familien- und Gesellschaftsstruktur Perus erhielten. Die beiden sind sehr kritisch gegenüber ihrer Regierung eingestellt und beklagen deren geringes soziales Engagement sehr.
So kamen an einem Tag ganz unterschiedliche Menschen zu uns ins Auto und begleiteten uns ein wenig, Menschen mit ganz verschiedenen Biographien, Lebensumständen und Arbeitsbereichen.

Und was war nun die Riesenenttäuschung des Tages? Das Poltern an der Vorderachse stellte sich als defekter Stoßdämpfer heraus!

Vor gerade einmal vier Wochen haben wir in La Paz alle vier Stoßdämpfer gegen werksneue Dämpfer ersetzen lassen (LINK) und nun hat einer (vorne links) heute ganz spontan sein Öl abgelassen und der Ärger beginnt aufs Neue. Und das nach gerade einmal 1.000 gefahrenen Kilometern, die meisten davon auch noch auf Asphalt.

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