Mit Plattfuß in die Wüste (7.9.2017) 2


Wir waren gerade der VW Werkstatt in Antofagasta ‚entkommen‘ (LINK) und etwa 30km von der Stadt entfernt wieder auf der Panamericana durch die Atacama-Wüste unterwegs. Da kamen wir an einer großen Fabrik vorbei, aus der es ‚munter‘ qualmte.

Was uns aber noch auffiel, war ein Fahrradfahrer, der sein Fahrrad schob.

Wir stoppten neben ihm um zu hören, ob alles ok ist (was man ja eigentlich hören möchte), oder ob er vielleicht Hilfe braucht. Er hatte an seinem schwer beladenen Fahrrad einen Plattfuß am Hinterrad. Das Ventil war kaputt (eins dieser bekloppten Rennrad-Ventile, deren Vorteil sich mir noch nie erschlossen hat) und er hatte keinen Ersatzschlauch mehr dabei. Das Ziel Santiago, dass er ansteuerte, war noch gut 1.000km entfernt und vor ihm lagen Dutzende Kilometer Schnellstraße durch die Wüste

und ohne Hoffnung auf Ortschaften oder Hilfe. Auf unsere Frage, wie es denn nun weitergehen soll, bekamen wir keine befriedigende Antwort. Unser Vorschlag, sein Fahrrad mit Gepäck bei der Fabrik unterzustellen und mit uns zurück nach Antofagasta zu fahren um einen Ersatzschlauch zu organisieren, gefiel ihm nicht so recht. Da wir auch schon einen Schweizer Fahrradfahrer getroffen haben, dem das Rad in Bolivien geklaut wurde, war seine Sorge um Rad und Gepäck natürlich verständlich.
Wir einigten uns darauf, dass wir einen Musterschlauch mitnehmen

und in Antofagasta nach Ersatz suchen würden. Er, Jacky, würde derweil an der Fabrikmauer auf uns warten.

So drehten wir also wieder um und fuhren 30km zurück nach Antofagasta. Während der Fahrt forschte Franzi schon mal im Internet nach Läden für Fahrrad-Ersazzteile. Und dann geschah ein südamerikanisches Wunder. Der erste Fahrradladen in den wir reinkamen

hatte doch glatt den passenden Ersatz (29er x 1,95) vorrätig. Wir sind es eigentlich gewohnt, mit freundlichen Ratschlägen von einem Laden zum nächsten geschickt zu werden, um oft am Ende mit leeren Händen dazustehen. Und hier? Einfach vorrätig!

Kaum 60 Minuten und 60km später waren wir wieder beim staunenden Jacky an der Mauer und konnten ihm den Schlauch überreichen.

Und: Wir konnten ihm sogar ein Fabrikat aus seiner Heimat bringen – aus Taiwan.

Jacky ist mit seinem Fahrrad vor zwei Jahren in Alaska gestartet und will noch Südamerika vollenden, bevor es über Europa nach Afrika geht. Der ‚Rest‘ ist dann Überland durch Asien wieder nach Hause.

Die geplante Dauert dieser Fahrradtour: ca. 5 bis 6 Jahre. Damit es auch klappt, bekam er den Schlauch von uns als kleines Reisegeschenk.


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