Bolivia – te espera (27.7.2017) 1


Wir waren insgesamt 73 Tage in Bolivien, nur unterbrochen durch einen halben Tag in Chile, als uns auf der Lagunenroute der Sprit knapp wurde und wir daher einen kleinen Abstecher (LINK) einlegen mussten.

Es waren 73 tolle und ereignisreiche Tage mit eindrucksvollen und abwechslungsreichen Landschaften, in großen Höhen (lange über 4.000m) und tiefen Tiefen (im Dschungel und in den Pampas auf ca. 300m), in vielen Klima- und Vegetationszonen und vor allem mit schönen menschlichen Begegnungen. Und von diesen Menschen, denen allen gemein ist, dass sie in Bolivien leben, soll hier die Rede sein.

 

Franklin in Tupiza war direkt am ersten Morgen nach der Einreise in Bolivien der erste nette einheimische Kontakt. Er ist der etwa 20-jährige Sohn unseres Gastgebers im Hostal „Butch Cassidy“ und wir haben ihn als guten Guide kennengelernt. Einen Tag lang ist er mit uns im Auto mitgefahren und hat uns die Umgebung von Tupiza gezeigt (LINK), für einen anderen Tag hat er einen Pferde-Ausritt für Franzi organisiert. Er ist sehr nett und aufgeschlossen und es hat viel Spaß gemacht, mit ihm diese eindrucksvolle Gegend zu erkunden. Sein Vater hat uns viele gute Tipps für die Befahrung der Lagunenroute ab Tupiza geben können, da er 15 Jahre lang selber als Fahrer und Guide dort unterwegs war und die Strecken im Detail kennt. Diese Familie ist auch ein Beispiel dafür, wie es arme Bolivianer durch harte Arbeit und Sparsamkeit zu etwas bringen. Das erste Kind ist noch unter ärmsten Bedingungen geboren worden und starb noch jung an Unterernährung. Den weiteren Kindern ging es schon viel besser – und später war die Familie sogar in der Lage, ein weiteres Kind wie einen Sohn aufzunehmen, da es selbst in Not war.

 

Markus haben wir auf den Salar de Uyuni kennengelernt. Er spricht viele Sprachen und hat eine sehr gewinnnende aber auch verbindliche und ausgleichende Art. Von seinem Wesen her ist er der geborene Guide, der auch in komplizierten Situationen kühlen Kopf bewahrt, aber vor allem hat er viel Spaß an Menschen. Er träumt davon (und plant darauf hin) eine eigene Agentur zu gründen, die exklusive Touren in Bolivien für wohlhabende Menschen mit wenig Zeit anbietet.

 

Ernesto ist in La Paz geboren und hat eine Ausbildung in der Schweiz, der Heimat seiner Eltern, gemacht. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich sein Vater auf Arbeitsangebote in Australien bzw. Bolivien beworben. Zuschlag sollte das Land bekommen, das sich zuerst meldet. Und das war Bolivien. Als er sich in Genua nach Südamerika einschiffte, kam dann auch die Zusage für Australien. Aber da war es zu spät. So wurde es Südamerika.

 

Gert lebt schon ewig in La Paz. Sein Vater war, aus Deutschland entsandt, lange in verschiedenen Ländern Südamerikas tätig. Gert wurde auf diesem Kontinent geboren, machte eine Ausbildung in Deutschland, lebte in verschiedenen Ländern Südamerikas und wurde vor mehren Jahrzehnten in La Paz sesshaft. Für uns ist er ein toller Gesprächspartner, da er mit doch europäischer Denkweise in Bolivien lebt und uns viele Dinge erklärten und erzählen kann, die uns in Bolivien immer wieder begegnet sind und die wir uns nicht erklären konnten. Wir haben ihn bei unseren beiden Aufenthalten in La Paz getroffen und angeregte Diskussionen geführt.

 

René in Coroico haben wir über die anderen „gelben“ Overlander (LINK) kennengelernt. Zwei Abende durften wir bei ihm zu Hause mit anregenden Diskussionen verbringen – es waren sehr intensive Gespräche. René ist Schweizer, hat lange für die Schweizer Entwicklungshilfe in verschiedenen Ländern dieser Erde gearbeitet und hat sich vor etwa 20 Jahren nach seinem letzten Einsatz in Bolivien dort niedergelassen. Seine Leidenschaft ist nun der Kaffee-Anbau, und neben der Ernte aus seiner eigenen Plantage kauft und verarbeitet er den Kaffee anderer Kaffee-Bauern aus den Umland , die nach seinen ökologischen Vorgaben produzieren und von ihm einen überdurchschnittlichen Preis für ihre Bohnen erhalten. Damit kann er Kaffee von besonderer Güte produzieren.

 

Eber und Alvaro sind zwei Brüder aus Rurrenabaque. Sie sind gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern im Urwald aufgewachsen und arbeiten nun für den Tour-Veranstalter „Mashaquipe“, der ganz besondere Touren in den Dschungel und in die Pampas anbietet (LINK). Alvaro, der jüngere Bruder, hat uns im Büro in Rurrenabaque mit seiner besonderen freundlichen und aufgeschlossenen Art davon überzeugen können, dass Mashaquipe der richtige Anbieter für Touren nach unseren Vorstellungen ist.
Sein älterer Bruder Eber (lebte die ersten 15 Lebensjahre im Dschungel) hat uns sechs Tage lang auf der Tour begleitet und uns durch sein unglaubliches Wissen und seine Erfahrung begeistert. Wir sind noch niemanden zuvor begegnet, der nachts den Hilfeschrei eines Frosches hört und weiß, dass das Tier in Gefahr ist. Dann sucht er in der Dunkelheit so lange, bis er das Tier im Maul einer Schlange findet,  die sich in einer Palme versteckt. Einfach unglaublich!

 

Über Jonny in Sorata haben wir ja schon einmal berichtet (LINK). Es ist die besondere Geschichte eines Sohns jüdischer Immigranten, die während der Nazi-Diktatur in Deutschland nach Bolivien fliehen konnten. Als junger Mann ging er nach Deutschland, hat dort eine Ausbildung zum Fotografen gemacht und viele Jahre als Modefotograf für zwei bekannte deutsche Frauenmagazine gearbeitet. Dann kam er zu einem Heimatbesuch nach Bolivien zurück,  reiste nach Sorata und verlor sein Herz an das Land, das er nun besitzt und kultiviert. In Deutschland gab er alles auf, rührte nie wieder einen Fotoapparat an und ist seitdem glücklich mit seiner bolivianischen Familie in Sorata.

 

Stefan haben wir auch in Sorata kennengelernt. Er ist Schweizer Bäckermeister und lebt schon bestimmt zwanzig Jahre in Bolivien. Neben seiner Tätigkeit als Bäcker mit leckeren Torten, engagiert er sich auch sehr stark in sozialen Aktivitäten rund um Sorata. So übernimmt und initiiert er Patenschaften für bolivianische Kinder aus den umliegenden Gemeinden, um sie bei der Schulbildung und der weiteren Entwicklung zu unterstützen. Er bildet Jugendliche in seinem Betrieb aus und gibt ihnen so eine bessere Chance für die Zukunft. Außerdem engagiert er sich für so wichtigen Themen wie ‚Sauberes Trinkwasser‘ in den Gemeinden. Mit seiner Partnerin Petra kümmert er sich auch um die medizinische Versorgung und die Organisation von notwendigen ärztlichen Behandlungen und teuren Operationen. Auch wenn wir mit seinen politischen Ansichten bzgl. der bolivianischen Politik nicht einverstanden sind, so bewundern wir doch das Engagement, mit dem er sich für die Bedürftigen in seiner Umgebung einsetzt.
Stefan hat hautnah die blutigen Aufstände in Bolivien speziell in und um Sorata gegen den Verkauf der Gasförderung an ein US-amerikanisches Unternehmen im Jahr 2003 miterlebt und kann interessant davon berichten. Auch zu dem kriminellen Deutschen „Eduardo“ Kramer, der eine Weile in Sorata lebte, um der polizeilichen Verfolgung in Deutschland zu entgehen, hat er viele spannende Geschichten auf Lager.

 

Isabel aus El Alto haben wir eigentlich in Sorata kennengelernt, sie dann aber eine Woche später in El Alto bei La Paz wiedergetroffen. In Sorata befand sie sich mit einer Gruppe von etwa 80 Kindern zwischen drei und zehn Jahren sowie mit mehreren Betreuerinnen und Betreuern auf einem fünftägigen Ferienlager. Angefangen hat der Kontakt über eine Betreuerin aus Deutschland, die zu uns kam und fragte, ob wir einen Kompressor hätten, um Planschbecken für die Kleinsten aufzupumpen. So nahm es seinen Anfang. Wir machten an diesem Tag mit einem Teil der Kinder noch einen Ausflug in eine Höhle und wurden zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen.
Isabel kommt vom bolivianischen Land, hat als Kind auch einige Jahre in Buenos Aires gelebt, bevor sie mit ihren Eltern nach El Alto kam. Sie leitet heute die Stiftung „Palliti“, die sich um vernachlässigte und misshandelte Kinder in El Alto kümmert. Über die Jahre hat sie es geschafft, mehre Einrichtungen für die verschiedenen Altersgruppen einzurichten. Sie ist voller Tatendrang und voller Ideen, was man sonst noch unternehmen könnte, um die Situation dieser Kinder zu verbessern. Nachdem wir einen halben Tag lang mit ihr die verschiedenen Einrichtungen der Stiftung besucht hatten, waren wir noch bei ihr zu Hause zum Abendessen eingeladen. Ihr Mann, nicht nur Chefkoch an diesem Abend, sondern unter anderem auch Anthropologe und Mediziner, war ein guter Gastgeber mit köstlichem Essen und interessanten Einblicken in die bolivianische Geschichte anhand ganz besonderer, alter bolivianischer Textil-Exponate.

 

Die Herren Esteban und den Herrn Limachi aus Huatajata, die Bootsbauer vom Titicaca-See, haben wir ja schon in einem anderen Bericht (LINK) vorgestellt. Für uns waren es sehr eindrückliche Begegnungen mit Menschen, die mit ihrem Bootsbau und der Schilfverarbeitung der Tradition verhaftet und trotzdem in der Moderne angekommen sind. Ihre Tätigkeit für Thor Heyerdahl, aber auch für internationale Museen und Ausstellungen, hat sie in die ganze Welt geführt und doch sind sie am Ende ganz bodenständig in ihrer Heimat verwurzelt geblieben.

Dies sind einige der Menschen, die wir in Bolivien kennenlernen durften und die für uns die vielen Tage in Bolivien zu ganz besonders eindrucksvollen Tagen gemacht haben.

Bolivia – te espera <—> Bolivien erwartet Dich!


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Ein Gedanke zu “Bolivia – te espera (27.7.2017)

  • Susanna

    Unglaublich, was ihr so alles erlebt! Mit allen Sinnen dabei! Ich hoffe ihr durfte, gegen eine kleine Spende für seine tollen Projekte, von Stefans spitzenmäßigen Torte probieren 🙂
    Lasst es euch gut gehen, wir genießen die österreichische Küche während unseres Wanderurlaubs und grüßen ganz herzlich!
    Eure Mountaincrew 🙂